FiO07 – Kann ich einen großen Obstbaum durch Schnitt kleinhalten? Ein Exkurs zu den Unterlagen

Dein Problem:

Der Obstbaum ist zu groß. Viel zu groß.

Nun willst du ihn durch Schnitt klein halten.

Geht das?

Ganz einfach: nö.

Damit wäre dieser Artikel eigentlich schon zu Ende.

Aber lass mich erklären, was das Problem ist und worauf du schon beim Kauf deines Obstbaumes achten kannst (oder musst), wenn er dir nicht über den Kopf wachsen soll.

Dieser Artikel als Podcast? Hier kannst du gleich reinhören:

Warum willst du deinen Obstbaum durch Schnitt klein halten?

Eigentlich wolltest du nur einen kleinen Obstbaum im Garten haben, um ein paar Äpfel pflücken zu können.

Nach einigen Jahren merkst du aber: huch, der wird ja immer größer und größer.
Und viel zu groß, als du eigentlich gedacht hast und es eigentlich wolltest.

Und nun?

Die einzige Möglichkeit, die du siehst, ist es, den Obstbaum radikal einzukürzen.

Nur: je stärker du einen Obstbaum zurückschneidest, desto stärker treibt er wieder aus. Und ist nach dem Schnitt mindestens wieder so groß wie vorher. Wenn nicht sogar grösser.

Warum es keine gute Idee ist, deinen Obstbaum durch Schnitt klein zu halten

Die meisten unserer Obstbäume bestehen aus zwei Teilen: der Unterlage und dem Edelreis, die über die Veredelung miteinander verbunden werden.

Das Edelreis stellt dabei deine Sorte, die du gerne ist da. Also der Apfel, der letztendlich am ausgewachsenen Obstbaum hängt und den du pflücken und essen kannst.

Die Unterlage bestimmt letzendlich den Wuchs und die Endgröße des Obstbaumes. Neben weiteren, anderen Eigenschaften, beispielsweise Frosttoleranz oder Resistenz gegen bestimmte Krankheiten.

Aber:
die letztendliche Größe des Obstbaumes ist vorgegeben, und liegt in dem Wuchspotential der Unterlage. Er wird so groß, wie er wird.

Das ist ähnlich wie bei uns. Wir können auch nicht bei 1.5 m sagen: so, jetzt höre ich einfach mal auf zu wachsen. Das reicht mir.
Sondern wir wachsen so lange, bis wir unser Potenzial erreicht haben.

Beimk Obstbaum das Gleiche: wenn er die genetischen Vorraussetzungen hat, 5, 6 oder 7 m und mehr zu erreichen, wir der bei günstigen Vorrausetzungen diese Endhöhe erreichen. Immer wieder.

Du kannst zwar den Obstbaum zurückschneiden, aber er wird (anders als bei uns ;), wieder stark austreiben und versuchen, seine „einprogrammierte“ Endhöhe zu erreichen.

Der starke Rückschnitt um einen Obstbaum in der Endhöhe zu verkleinern ist also ein Kampf mit Windmühlen. Du kannst immer wieder schneiden, er wird immer wieder austreiben.

Was du dir damit erschaffst, ist eine reine Arbeitsbeschaffungsmassnahme, denn so einen Obstbaum bekommst du kaum in ein ruhiges Gleichgewicht zwischen Zuwachs und Ertrag.

Wahrscheinlich ein ziemlich vermurkster Obstbaum, bei dem ein regelmäßiger Ertrag und qualitativ gute Früchte fraglich sind.

Was aber kannst du im Vorhinein anders machen, um dir die Mühe und die Enttäuschung zu ersparen?

Worauf du achten musst, damit du deinen Obstbaum nicht durch Schnitt kleinhalten musst

Übernimmst du einen fertigen Obstbaum, hast du kaum eine andere Wahl, als dein Schicksel zu akzeptieren.

Willst du jedoch einen neuen Obstbaum pflanzen, kannst du darauf achten, dass er dich nicht über den Kopf wächst.

Das magische Stichwort dazu ist schon gefallen: die Unterlage!

Denn diese bestimmt maßgeblich, wie groß dein ausgewachsener Obstbaum letztendlich ist.

Und bei den Unterlagen gibt es einiges zu beachten.

Exkurs: die Größe eines Obstbaumes wird durch die Unterlage bestimmt

Es gibt mittlerweile eine riesige Auswahl an verschiedenen Unterlagen, innerhalb einer einzigen Art. Sie unterscheiden sich in Wuchsvermögen, Resistenz, Stabilität etc.

Nur sind die Bezeichnungen für Laien meist etwas „umständlich“, um es nett zu sagen.

Als Beispiel picke ich mir den Apfel raus:

Unterlagen und ihre Namen: Sämlingsunterlagen

Bei den Sorten kennst du wahrscheinlich einige Sortennamen, wie Boskoop, Alkmene oder Golden Delicious. Damit ist meist eindeutig klar, welche Apfelsorte du vor dir hast.

Bei Unterlagen handelt es sich auch nur um Apfelsorten, die jedoch andere Eigenschaften, beispielsweise für die Wurzelbildung, mitbringen, als die sogenannten Edelsorten, die zum Verzehr dienen.

Bei den Unterlagen ist es seltener, dass wir auf einen klaren Sorten“namen“ stossen. Meist ist dies nur bei den sogenannten Sämlingsunterlagen der Fall. Das sind Unterlagen, die durch Aussaat gewonnen werden und die mit Abstand am stärksten wachsenden sind. Denn sie bilden einen großen Wurzelraum, der genug Saft und Kraft gibt, damit der Obstbaum groß werden kann.

Apfelbäume, die auf so einer Unterlage veredelt wurde, werden richtig groß und bilden die landschaftsprägenden Obstbäume. Also nix für den kleinen Hobbygarten!

Diese Unterlagen haben die Eigenschaft auch meist im Namen integriert, wie der „Bittenfelder Sämling“ beim Apfel.

Andere Unterlagen und ihre Namen – ein Ratespiel?

Bei anderen Unterlagen, den sogenannten Typenunterlagen, besteht der Name meist aus einer Buchstaben- und Zahlenkombination.

Ganz wichtig zu wissen: die Zahlen folgen nicht unbedingt einer klaren Größenverteilung, also bedeutet eine große Zahl nicht unbedingt ein größerer Baum, sondern sie verraten dir etwas in der Kombination mit dem Buchstaben darüber, wo diese Unterlage entstanden und zum ersten Mal selektiert wurde.

Der Buchstabe symbolisiert oft den Herkunftsort der Unterlage. Beispielsweise stehen folgende Buchstaben für folgende Herkünfte:

– M: East Malling Research Station, Großbritannien
– MM: Merton Marling, Großbritannien
– P: Dresden-Pillnitz, Deutschland
– A: Alnarp Fruit Tree Station, Schweden
– C / CG: Cornell/Geneva, New York State Agricultural Experiment Station, Geneva NY
– B: Budagovsky, Russland

Oft symbolisiert die Zahl, die hinter dem Buchstaben steht, das Quartier, in dem die Unterlage aufgezogen wurde. Ein Quartier beschreibt ein Segment einer Baumschule.

Das die Reihenfolge der Nummern nicht die reale Größe wiedergeben, verdeutlicht die Grafik von den gartenfreunde.de:

Apfelunterlagen, nach Größe sortiert. Die Grafik stammt von www.gartenfreunde.de! Diese Grafiken gibt es auch für Kirsche, Birne, Pflaume und Co.

Du kannst fast jede Edelsorte auf jeder Unterlage pfropfen, in Ausnahmefällen kann es zu Unverträglichkeiten kommen. Aber die gängigsten Sorten bekommst du in sehr groß bis teilweise sehr klein.

Daher ist es wirklich entscheidend, dass du vor dem Kauf weisst, wie viel Platz du auf deinem Standort hast. Und dir dementsprechend die Größe deines Obstbaumes anhand der Unterlage aussuchst.

Vor dem nächsten Kauf: google am besten nach Unterlagen + deine Obstart die du möchtest und schau dir die unterschiedlichen Grössen an. Den dann kannst du im Kaufprozess entscheiden, ob der Obstbaum zu dir und deinem Standort passt.

Und du nachher nicht ein böses Erwachen hast, wenn dein Obstbaum doch plötzlich deutlich stärker wächst, als gedacht.

Fazit

Einen großen Obstbaum wirst du niemals durch Schnitt kleinhalten können.

Denn der Obstbaum folgt nur seinem inneren Potenzial und erreicht die Endgröße, die sein genetisches Programm vorgibt.

Mit starken Schnitt folgt ein starker Austrieb, und der Obstbaum versucht wieder, in die Endgröße zu wachsen.

Daher musst du schon beim Kauf darauf achten, dass du bei weniger Platzangebot auf eine schwachwachsende Unterlage zurückgreifst. Dazu findest du viele Vergleichsgrafiken im Internet, die dir die Endgröße der Unterlagen verraten.

Nun zu dir: welche Erfahrungen hast du schon mit unterschiedlichen Unterlagen gemacht? Schreib‘ es gerne in die Kommentare! Ich freu‘ mich!

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Fit im Obstbaumschnitt Podcast Folge 07 Kann ich einen großen Obstbaum durch Schnitt klein halten?

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2 Kommentare

  1. Wow, supertoll erklärt, so dass ich als relative Obstbaumlaiin alles gut verstehen kann! Vielen Dank! Ich werde sehr auf meine nächste Unterlage achten, denn mein Garten ist für all meine Obstbaumwünsche eigentlich viel zu klein, so dass ich leider nur kleinere Bäume setzen kann.

    • Hey,
      danke dir vielmals für deinen Kommentar. Sehr gut, dass du auf die Unterlage achtest.
      Was dir eventuell auch hilft: du kannst mehrere Sorten auf einen Baum veredeln (lassen).
      Und auch Säulenobst- oder Buschbäume sind eine platzsparende Alternative.

      Viel Spaß dir mit deinem Obst!

      Viele Grüsse

      Lisa


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