Das Alter eines Astes am Apfelbaum erkennen

Einjährige Triebe, zweijährige Triebe, mehrjähriges Holz? Sicher seid ihr schon einmal beim Stöbern der Obstbaumliteratur über diese Begriffe gestolpert. Damit wird das Entstehungsalter von Zweigen am Obstbaum bezeichnet.
Wichtig zu wissen, denn jede Obstart trägt ihr erstes Obst an unterschiedlich alten Ästen. Und auch die Qualität des Obstes kann sich durch das Alter des Holzes, an dem es gebildet wird, unterscheiden. Heute geht es um den Apfel.

Lieber als Video? Einmal hier entlang:

Doch lieber Text?

Nachfolgend erläutere ich euch das Alter eines Triebes anhand eines Astes…an der Hauswand. Das war deutlicher einfacher als im Baum, da die einzelnen Teile des Apfelastes so besser zu erkennen sind. Also nicht wundern. Bei dem Baum handelt es sich um einen Apfelhochstamm, circa 25-35 jährig, und so langsam in den Vollertrag kommend.

Trieb oder Holz – Was sagt die Bezeichnung?

Ein Ast ist eigentlich nur eine Zusammensetzung von unterschiedlichen Trieben, unterschiedlich alt, unterschiedliche verzweigt, mit unterschiedlicher Funktion.

Ich nutze diese beiden Begriffe Holz und Trieb des öfteren Mal im Zusammenhang mit dem Fruchtholz. Jedoch kommt ein Trieb von treiben. Also eine aktive Entwicklung und damit für mich auf jeden Fall der diesjährige Trieb, dann wenn er noch grün und am wachsen ist. Eigentlich sind Triebe die einjährigen Teile am Baum.

Wenn also die Knospe im Frühjahr zu treiben beginnt und im Herbst den Triebabschluss erreicht. Beim Apfel verholzt dieser Trieb anschliessend und ist, genau genommen, eigentlich schon Holz, da ja verholzt. Dennoch befinden sich am Fruchtholz, also dem Teil an dem die Früchte gebildet werden, in manchen Bezeichnungen auch verschiedene Triebe, die zwar verholzt sind, aber noch relativ jung. Triebe sind also die einjährigen Teile am Baum.

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Jüngste Triebe und Holz – meist im Aussenbereich

Schaut man sich einen Hochstamm an, der schon etwas länger nicht geschnitten wurde, erkennt man, dass das jüngste Holz und die jüngsten Triebe im äusseren Bereich sitzen. Und gerade am jungen 2-3 jährigen Holz, bringt der Apfel seine besten Früchte hervor.

Und weil dieses Holz auch noch aussen sitzt, werden die Früchte gut besonnt, reifen also gut aus, und bekommen viel Wind ab. Dadurch verringern sich gewisse Krankheiten, wie Pilzkrankheiten, schon deutlich.

Am Baum selbst wird zwischen folgenden verschiedenen Triebaltern ein Unterschied gemacht:

    • einjähriger, oft auch diesjähriger Trieb
    • zweijähriger Trieb
    • dreijähriger Trieb
    • mehrjähriger Trieb, einfach alles, was älter als 3-4 Jahre wird

Der einjährige Trieb

Der jüngste Spross (ha!) der Familie, sozusagen. Der Kollege auf diesem Bild ist noch jung, und zwar erst seit dem Frühjahr 2018 gewachsen. Aus einer Terminalknospe an der Spitze des damalig einjährigen Triebes getrieben. Im Laufe des Frühjahrs und Sommers hat er Blätter gebildet, sich immer weiter gestreckt und sich schliesslich im Herbst gegen den Winter hin verholzt. Wird ja schliesslich kalt hier im Winter, und durch das Verholzen stellt der Trieb sicher, dass er nicht erfriert.

Und da das Wachsen und Strecken schon anstrengend genug waren, ist das Kerlchen noch komplett ohne Seitenverzweigung, also einfach nur ein langes, meist recht (je nach Sorte, Unterlage und Schnittmaßnahme verschieden) dünnes Ästchen. Er bleibt solange einjährig, bis aus seiner Terminalknospe im Frühjahr der nächste Trieb treibt.

Nicht nur an der Spitze treibt er, sondern auch an den Knospen entlang seiner Seite, weswegen er zum zweijährigen Trieb wird, mit Seitenverzweigung und den ersten Blütenknospen, die im darauffolgenden Jahr blühen.

Geringeltes Holz – der Übergang von einem Jahr zum nächsten

Beim Apfel ist sehr schön, vor allem an den jüngeren, 1-3 jährigen Trieben, der Übergang von einem Wuchsjahr zum nächsten Wuchsjahr zu erkennen.

Also dort wo aus der Terminalknospe der neue Trieb für das Jahr gewachsen ist. Das macht es relativ leicht, an einem Ast rückwärts zu zählen und so das Alter zu bestimmen.

Der zweijährige Trieb

Ab hier wird es richtig gut. Denn der Apfel beginnt am 2 jährigen Holz die ersten Blüten zu bringen, das vitalste Fruchtholz und damit auch die am besten versorgten Früchte befinden sich beim Apfel an 2-3 jährigen Trieben.

Der zweijährige Trieb hat nun schon Seitentriebe und Blütenknsopen , Fruchttruten, mit einer Blüte an der Spitze. Er unterscheidet sich schon deutlich vom 1 jährigen Trieb.

In meinem Beispiel leider weniger, auf dem Bild erkennt ihr lediglich zwei bis drei Blütenknospen. Ich führe das auf das extrem trockene Jahr 2018 zurück. Der Baum hatte einfach deutlich weniger Ressourcen zur Verfügung. Auch vor dem Hintergrund, dass es ein extrem gutes Apfeljahr war, trotz Trockenheit.

Der dreijährige Trieb

Der Trieb für gute Äpfel, einige Fruchtruten sind zu erkennen. Das bedeutet sehr gute Fruchttriebe, die viele Blätter haben, und an der Spitze eine Blütenknospe. So ist gewährleistet, das später die Früchte von viel Blattmasse versorgt werden, also viel Photosynthesefläche zur Ernährung des Obstes zur Verfügung steht. Ein gutes Blatt-/ Fruchtverhältnis also.

Das mehrjährige Holz

Ab dem dritten Jahr wird meist nicht mehr gezählt. Alles was älter als drei Jahre ist, wird als mehrjähriges Holz bezeichnet. In diesem konkreten Beispiel fängt das sehr alte Fruchtholz ab Jahr 6 an. Dort befindet sich einiges an Quirlholz.

Quirlholz zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus:

    • viele, extrem kurze Fruchtspieße
    • wächst nur wenige Millimeter im Jahr
    • ungünstiges Blatt/Blüte-Verhältnis, wenige Blätter müssen viele Blüten versorgen

Dazu kommt, dass sich dieses Holz meist im Bauminneren befindet und dementsprechend schlecht besonnt wird. Also nicht nur kleine Früchte, sondern auch noch schlecht ausgereift. Eine ganz andere Fruchtqualität als im jüngeren, 2-3 jährigen Fruchtholz.

Der ganze Ast

Anhand dieser Anhaltspunkte kann man nun einfach am Ast zurück zählen, angefangen beim einjährigen Trieb, über die geringelten Abschnitte bis an die Schnittstelle heran. So ist dieser Ast (etwa) 6 jährig.

Einfacher Obstbaumschnitt dank Wissen

Wenn du die unterschiedlich alten Triebe gut erkennen kannst, erleichtert dir das den Schnitt ungemein. Denn dann besteht eben nicht die Gefahr, dass zu viel vom guten Fruchtholz entfernt wird und der Baum noch genügend Fruchtholz hat, um eben gute Früchte zu liefern.

Auch schneidet man nun nicht alle einjährigen, vermeintlichen Wasserschosser raus, sonst gibt es in den nächsten Jahren weniger Äpfel.

Der letzte Punkt ist auch in die Zukunft gerichtet. Um immer genügend gutes Fruchtholz zu haben, muss der Baum genügend Neutriebe bilden, die eben in 1-2 Jahren das neue Fruchtholz bilden. Daher alte und vergreiste Bäume verjüngen.

Nun zu dir

Nun die Frage an dich: wo in deinem Baum sind die ein-, zwei-, und drei- und mehrjährigen Triebe?

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2 Kommentare

  1. Super erklärt! Endlich hab ich einen ungefähren Einblick!
    Jetzt noch Marille, Pfirsich und Dirndl und ich bin voll im Bild und mein junger Garten kann weiter wachsen und gedeihen!
    Danke

    • Hey Alex! Danke dir für den lieben Kommentar! Die Kirsche ist schon in Arbeit, aber gerne auch was zu Marille und Pfirsich. Und viel Erfolg in deinem Garten!

      Viele Grüße, Lisa


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